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von: Ria C. •   • Lesedauer: 5 min

Kommandozentrale Film

Bevor Kameras und Ton laufen, kommt eine Inszenierung in Gang, die immer das selbe Muster verfolgt aber dennoch von einer ihr ganz eigenen Hochspannung erfüllt ist: die Kommandoabfolge beim Film.

Dreharbeiten gibt es innen wie außen, von Nord nach Süd und vom Osten bis in den Westen. Was sich nicht ändert sind die Kommandos. Denn es gilt einem großen Team mit den unterschiedlichsten Aufgaben zu signalisieren, dass das, woran alle gearbeitet hatten bereit ist: der Dreh! Damit dieser reibungslos nach Drehplan läuft und die kostbare Zeit ohne Missverständnisse genutzt werden kann, gibt es beim Film eine eigene Sprache, die jeder versteht: die Filmkommandos.

Am besten versteht man dies anhand eines Beispiels und warum einfach, wenn es auch ein aufwändiges gibt, bei der volle Konzentration von allen Beteiligten gefordert wird. Auch ist dies möglicherweise eines der wenigen Beispiele, das vom Publikum beobachtet werden kann: die Außenaufnahmen im öffentlichen Raum. Wir sind aber noch nicht ganz fertig, sondern setzen die Ansprüche noch eine Stufe höher. Unser Beispiel-Set wird deshalb in die Innenstadt einer Großstadt gelegt: je enger und je voller - je spannender!

Die Außenaufnahmen - inklusive Straßensperre

Rasante Verfolgungsjagden müssen es gar nicht sein, denn diese werden sie als Zaungast nur aus einer größeren Entfernung wahrnehmen. Eine kleine Szene genügt uns: unsere beiden Schauspieler, ein Paar, soll in einem belebten Innenstadtviertel eine Straße überqueren und während sie den Zebrastreifen nutzen, führen sie einen Dialog, sie unterhalten sich. Wie im richtigen Leben also, nur mit einem kleinen Unterschied: läuft man als Paar durch die Stadt, wiederholt man nichts. Die Unterhaltung beim Gehen, das Agieren ist einmalig wie die Situation selbst. Gleichgültig ob Sie sich nun versprochen haben oder ob Ihnen gerade ein Wort nicht einfällt, Sie gehen weiter oder Sie bleiben vielleicht kurz stehen um zu überlegen - aber Sie wiederholen diesen nicht ganz perfekten, kurzen Abschnitt Ihres Lebens nicht. Ansonsten wäre die Welt voller Menschen, die ständig hin und herlaufen und Ihr Leben wäre eines, das vor lauter Proben einfach nicht weitergehen würde. Beim Film ist dieser Punkt völlig anders zu betrachten: hier sind mehrere Takes an der Tagesordnung, denn es soll ja alles perfekt sein, damit die Szene im Film eben tatsächlich wie im richtigen Leben aussieht.

Sind Sie schon einmal in einen Menschenstau geraten, der wie von Geisterhand entstand? Ja? Dann ist vor Ihnen möglicherweise ein Filmteam bei der Arbeit und hat eine genehmigte Straßensperre für seine Dreharbeiten erwirkt. Meistens sind diese Sperren nicht permanent, sondern werden so koordiniert, dass zwischen den Aufnahmen der Verkehrsfluss weiterhin ermöglicht wird. Solch eine Sperre nennt man Intervallsperre. Beim Film ein gutes Mittel, um sowohl dem Team die nötige Verkehrssicherheit zu ermöglichen, als auch die Bewohner und Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr zu belasten, bis die Außenszene im Kasten ist. Alle Vorbereitungen für die Szene finden vor der eigentlichen Sperrung statt - und trotzdem ist auch die Vorbereitungszeit bis zum Dreh immens kostbar, denn es gibt einen Zeitplan und jede Minute des meist viel zu kleinen Zeitfensters muss effektiv genutzt werden.

Drehgenehmigungen mit Intervall- oder Vollsperrung beantragt man in der Regel beim Amt für öffentliche Ordnung, Abteilung Straßen- und Grünflächennutzung einer Stadt oder Gemeinde. Verbunden mit der Drehgenehmigung sind in der Regel straßenverkehrsrechtliche Erlaubnisse, Anordnungen von Verkehrsmaßnahmen und Ausnahmegenehmigungen - wie z.B. in der Medienstadt Köln.

Das erste Kommando kommt vom Set-Aufnahmeleiter und ist absolut praktisch und unmissverständlich: "Absperren!"

Sofort setzen sich Runner und Set-Helfer in Bewegung und bauen die vorher besprochene und genehmigte Absperrung nach einer vorliegenden Skizze auf, die sie dann auch behüten. Probate Mittel sind Pylonen, diese netten kleinen Kunststoff Hütchen, die so gern abhanden kommen (!) und jeden selbsternannten "Testfahrer" schon allein durch ihre Anwesenheit reizen können. Größere Produktionen engagieren für ihre Absperrungen Spezialisten oder leihen sich das entsprechende Equipment von Spezialisten aus. Das Set ist dann kaum noch von einer Baustelle zu unterscheiden. Auch ist es Pflicht für alle Mitarbeiter am Set kreischbunte Sicherheitswesten zu tragen. In allem gilt: Safety first! Während dieser nun extrem kurzen Zeit laufen die letzten „Walkthroughs“ - die letzten Proben, die beendet sind, sobald die Regie zufrieden ist.

Das Blocking steht, der Verkehr ruht, echte Passanten wurden vor Barrieren "eingefroren" und durch Extras ersetzt, die beim letzten Durchgang "möglichst authentisches Schlendern" geübt haben. Andere Statisten spielen "Mensch in Eile" wieder andere "füllen stehend" den Hintergrund. Unser Paar wird noch ein letztes mal mit Instruktionen, Pinsel und Farbe bearbeitet. Dann wird es ruhig und jeder, der nicht im Bild ist, bezieht schnell seine Position hinter der Kamera, von der aus ein Eingreifen stattfinden wird, wenn es erforderlich ist. Ein einzelner Mensch zieht nun die gesamte Aufmerksamkeit auf sich und hebt endlich das Megafon:

„Ruhe bitte“

In Hollywood übernimmt diese verantwortungsvolle Aufgabe der AD (Assistant Director) und verkündet: "Picture is up! Quiet, everyone!" Sie werden staunen, wie ruhig es sein kann, denn alles, wirklich alles, hat nun stumm zu sein - auch jedes Mobiltelefon und jedes Gerät, das Geräusche verursachen könnte.

Die nun folgende Kommunikation konzentriert sich zwischen Regie und Set-Aufnahmeleitung bis das finale Signal von der Regie als Zeichen oder als Wort erfolgt, wie mit einem leisen „Fertig.“
Die Aufnahmeleitung bittet: „Ton ab!“
Unsere Englischen Untertitel lauten hierzu: "Roll sound".
Der Ton antwortet: „Läuft!“
Production Sound Mixer: "Sound speed " oder "Speed"
Die Aufnahmeleitung: „Kamera ab!“
Der Kollege in den USA bittet:"Roll Camera!".
Die Kamera oder Kameraassistenz antwortet: „Läuft!“
Vom Camera Operator folgt: "Speed!"

„Zwei-neun, die Erste“ - die Klappe wird geschlagen

Dazu die englische Version Films Clapper und vom Clapperboard: "Marker!" Die Zahlen und Daten auf der Filmklappe protokollieren genau um welche Einstellung es sich bei dem getrennt aufgenommenen Film- und Tonmaterial handelt: Roll, Scene und Take - die Angabe ist beim späteren Synchronisieren des Filmmaterials wichtig, wobei das Schlagen der Klappe den Synchronisationspunkt des Tones darstellt. Die Information um welchen Take es sich handelt, kommt von der Abteilung Regie, von den Protokollen von Script und Continuity.

Unsere Extras, die Statisten, erhalten einen eigenen Befehl vom AD: "Action Background!". Unser Paar betritt in diesem Fall erst danach das Bild und erst dann, wenn sie vom Director, von der Regie zum Spiel aufgefordert werden:

„Bitte!“ oder „Action!“

Oft hört man auch "und Bitte!" - seltener wird man von deutschen Regisseuren und Regisseurinnen das aus den USA und weltweit bekannte: "Action!" vernehmen. Ist die Szene zu Ende, bedankt sich der Regisseur mit: „Aus!“ oder „Danke!“. International lautet das letzte Kommando des Directors: "Cut!"