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von: Sandra P. •   • Lesedauer: 5 min

Ohne Haftpflichtversicherung keine Dreharbeiten

Wer garantieren kann, dass während einer Produktion nichts zu Bruch geht, muss magische Fähigkeiten besitzen und da diese Eigenschaft auch der verantwortungsvollsten Produktion fehlt, ist eine Haftpflichtversicherung ein Muss.

Über die Besonderheiten der Haftpflichtversicherung für Foto- und Filmproduktionen: die Businesshaftpflicht-Versicherung oder Produktionshaftpflichtversicherung

Versicherungen bieten generell für Unternehmen einen Versicherungsschutz für alle Risiken bei der Durchführung ihrer betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten und Inhalte an, der mit einem Businesshaftpflicht Versicherungsvertrag abgeschlossen wird.

Wer wird versichert?

Der Versicherungsschutz wird allen Unternehmen wie auch Freiberuflern angeboten. Im Bereich Film-, Fernsehen- und Fotoproduktionen existieren spezielle, an die Branche und deren Tätigkeiten angepasste Risiken und deren mögliche Schadensfälle, wie zum Beispiel die Filmversicherung. Für Produktionen bieten Versicherungsunternehmen auch temporären, nur für die Produktionsdauer geltenden Versicherungsschutz an: sie heißt, was sie ist: die temporäre Produktionshaftpflichtversicherung.

"Versichert sind gesetzliche Haftpflichtansprüche aus Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die Dritte durch die Dreharbeiten, also nach Verschulden der Produktion erlitten haben." (Haftpflichtversicherung Film & TV, howden CANINENBERG)

Wichtig zu wissen: eine Businesshaftpflichtversicherung oder eine Betriebshaftpflicht, ist kein passender Versicherungsschutz für Privatpersonen, Studenten oder Schüler. Die Private Haftpflichtversicherung unterscheidet sich in vielen Punkten von einer Businesshaftpflicht. Einer der wichtigsten Punkte: ein Team und die Darsteller, die gebucht werden, sind nicht in eine Private Haftpflichtversicherung eingebunden: sie sind nicht gegen Schäden mitversichert, die sie in Mietobjekten verursachen. Mietanfragen von Schülern und Studenten sowie von Privatpersonen sind ein hoher Risikofaktor, da sich dieser Personenkreis nicht entsprechend versichern kann. Keine Überraschung also, wenn eine Location um eine hohe Kaution bittet, um das Risiko eines Schadens abzusichern.

Alle Produktionsfirmen, Fotografen oder Videoproducer müssen haftpflichtversichert sein und eine Business-Haftpflichtversicherung nachweisen können. Alles andere wäre fahrlässig. Wenn eine Location für ein Shooting gemietet wird, reicht eine einfache Haftpflichtversicherung oder eine einfache Businesshaftpflicht oft nicht aus, da die möglichen Schäden in einem gemieteten Objekt und außerhalb der eigenen Firmenräume von der Versicherung nicht gedeckt sein könnten.

"Die Zerstörung oder Beschädigung der Filmkulisse oder von Requisiten und Dekorationen können die Filmproduktion erheblich verzögern oder zum Abbruch des Drehs führen. Genauso folgenreich sind oftmals Schäden oder der Verlust von Geräten der Aufnahmetechnik. Die hiermit verbundenen Kostenrisiken deckt die HDI Sachausfall-Versicherung ab. Bei einem Produktionsabbruch sind die aufgrund vertraglicher Vereinbarungen noch zu leistenden Zahlungen ebenfalls abgesichert." (HDI Film-Komplettschutz, 2. Sach-Ausfallversicherung)

Der Produktionshaftpflicht Versicherungsnachweis.

Jede Anmietung einer Location setzt also den Abschluss des Mieters, über eine Produktions-Haftpflichtversicherung (Businesshaftpflicht) voraus. Der Versicherungsnachweis durch den Mieter ist obligatorisch. Die Produktion sendet dazu einen Deckungsnachweis an den Vermieter. Dies kann sein, eine Kopie der Versicherungspolice oder die Bestätigung des Versicherers, über den soeben erfolgten Abschluss einer Versicherung. Da ohne Versicherungsnachweis kein Motivvertrag zustande kommt, ist dieser Deckungsnachweis verpflichtend und hat Priorität. Senden Sie dem Vermieter eine Bestätigung mit folgenden gut erkennbaren Daten:

  • Versicherer und Versicherungsnehmer
  • Versicherungsnummer
  • Vertragslaufzeit
  • versicherte Schadenshöhe
  • versicherter Schadensumfang

Wer schließt die Versicherung ab?

Motivverträge oder Mietverträge setzen das Vorhandensein eines entsprechenden Versicherungsschutzes vertraglich voraus. Idealerweise ist der Vertragspartner des Motivvertrages auch der Versicherte. Denn der Versicherte garantiert gegenüber dem Vermieter, dass eine Business-Haftpflichtversicherung oder eine Produktionshaftpflichtversicherung bei Anmietung vorhanden ist oder abgeschlossen wurde. Oft lautet eine Klausel in einem Mietvertrag, dass der Nachweis auf Verlangen des Vermieters jederzeit vorzulegen ist.

Unser Tipp: Produktionen sollten immer einen aktuellen Versicherungsnachweis für das laufende Versicherungsjahr oder eine Versicherungsbestätigung vorlegen können.

Vermieter sollten sich die Versicherungspolice vor Drehbeginn zeigen lassen. Zumindest der Abschluss einer temporären Produktionshaftpflichtversicherung ist eine Voraussetzung, wenn man in fremden Eigentum, also on-location produziert. Gegebenenfalls muss eine vorhandene Haftpflichtversicherung sogar an die besonderen Gegebenheiten vor Ort angepasst werden.

Wann kommt der Haftungsausschluss ins Spiel?

Diese Klausel wird eine Location nutzen, die sich von der Haftung für Sorgfaltspflichtverletzungen, Gewährleistungsrechten oder sonstigen Pflichtverletzungen - auf individuelle Art ausgehandelt - befreien, diese begrenzen oder gegen solche absichern will.

Grundlagen der Produktionshaftpflichtversicherung oder Businesshaftpflicht

Was ist zu versichern? Jede Person, die sich in einer gemieteten Location aufhält: alle Mitarbeiter der Produktion, das gesamte Film-, Video- oder Fototeam, ob angestellt oder gebucht. Die Darsteller, Extras und Models, Begleitpersonen von Kindern und die Kinder selbst. Sind Tiere am Set oder in Handlungsstränge eingebunden, sind diese ebenfalls zu versichern.

"Ansprüche Dritter gegenüber Produzenten aufgrund von Personen- oder Sachschäden können äußerst unangenehm werden. Die Produktionshaftpflichtversicherung prüft die gestellten Ansprüche, wehrt sie ab oder erfüllt sie, wenn sie sich als berechtigt erweisen. " (Produktionshaftpflichtversicherung, Deutsche Filmversicherungs Gesellschaft DFG)

Dauer der Versicherung? Wie lange und welchen Zeitraum umfasst die Versicherung? Mindestens für die Dauer der Produktion - bei temporären Versicherungen.

"Die Filmversicherung wird in der Regel als Einzelpolice für die jeweilige Produktion bis zum Ende der jeweiligen Produktion bzw. Nachbearbeitungszeit abgeschlossen."

(Filmversicherung der Gothaer)

Der Versicherungsschutz muss gegeben sein, sobald die erste Person die Location betritt und muss solange gelten, bis die letzte Person die Location verlässt: also auch an Bautagen und Standtagen sowie zu Vor- und Nachbereitungszeiten. Liegt der Abschluss einer Businesshaftpflichtversicherung länger zurück, sind Versicherer gerne dazu bereit, den laufenden, aktuellen Versicherungsschutz zu bestätigen.

Versicherungssumme und Versicherungsumfang? Welche Deckungssummen sind sinnvoll? Da es Leistungsunterschiede bei Versicherungen gibt, sollten Produktionen auf folgende Kriterien achten:

  • Deckungssumme für Personen und Sachschäden: ca. in Höhe von 3 Millionen Euro
  • Deckungssumme für Vermögensschäden: mindestens 1 Million Euro
  • Mitversichert: Freie Mitarbeiter/Subunternehmerbeauftragung
  • Mitversichert: Mietsachschäden
  • Mitversichert: Obhut Schäden
  • Mitversichert: Sonstige Tätigkeitsschäden (z.B. Be- und Entladen)
  • Mitversichert: Umweltrisiken (falls erforderlich)

Was kostet eine temporäre Produktionshaftpflichtversicherung? Die schwierigste Frage. Denn je nach Risiko, Bedarf und Aufwand, Geltungsbereich und Deckungsumfang schnüren Versicherer unterschiedliche, anpassbare Pakete. Es gibt Angebote ab ca. 250 Euro zuzüglich Versicherungssteuer.

"Gemeinsam ist allen Produktionsversicherungen, dass sie für einen begrenzten Zeitraum - für die Dauer der Produktion - abgeschlossen werden. Versicherung des Foto-Teams: Mitarbeiter der Produktion, (das gesamte Foto- / Filmteam) sind über die Haftpflichtversicherung abgedeckt." (Fotografenversicherung, Produktionsversicherung für Haftpflicht und Requisiten, Kameraversicherung Andreas Matthiessen)

Wann ist die Versicherungs-Police dem Vermieter vorzulegen? Der Mieter verpflichtet sich dazu, dem Vermieter eine Kopie seiner Versicherung spätestens eine Woche vor der Produktion vorzulegen. Die Versicherung muss sowohl Schäden am Mietgegenstand selbst, wie auch Personen- und Sachschäden abdecken. 5 Werktage vor Produktionsbeginn wird der Deckungsnachweis über die vorhandene Produktions-Haftpflichtversicherung (Businesshaftpflicht) benötigt. Die Vorlage und das Vorhandensein eines Haftpflichtversicherungsnachweises durch den Motivnehmer ist obligatorisch und Bestandteil des Motivvertrages. Da ohne diesen Versicherungsnachweis kein Motivvertrag zustande kommt, hat dieser, von jedem Mieter, bei jeder Vermietung vorzulegende Nachweis, absolute Priorität.

Fazit:

Jede Vermietung setzt also eine vorhandene, gültige, die möglichen Schäden ausreichend deckende Produktionshaftpflichtversicherung, Businesshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht voraus. Welchen Versicherungstyp Sie wählen, von welchem Versicherungsunternehmen Sie Ihre Produktion versichern lassen und ob Sie die dauerhafte oder die temporäre Police wählen, bleibt selbstverständlich jeder Produktion selbst überlassen. Bevor man Versicherungsverträge unterschreibt, sollte man sich ausführlich beraten lassen, denn jede Film- oder Fotoproduktion ist anders. Eine Sache bleibt jedoch immer gleich: ohne Produktionshaftpflicht keine Produktion! Ein Vermieter kann einen Motivvertrag außerordentlich kündigen, wenn der Vertragspartner, der Mieter, seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommt. Dies betrifft auch die Verpflichtung,  den Deckungsnachweis der Produktionshaftpflichtversicherung jederzeit vorlegen zu können.